Mittwoch, 11. April 2012

Ein Gedanke.

10.3.2012


Seit Stunden warte ich nun auf das Ende der Geburtstagsfeier meiner kleinen Schwester Rosa im Kinderparadies.

In dem Gebäude daneben belagert meine Schwester mit ihren Freundinnen die Soccer Five Arena. Mit mehreren Indoor Fußballplätzen bietet es für Hobby Kicker ein paar Stunden Spaß.Diese grenzt an der Bar an, in der ich mich seit geschlagenen vier Stunden nun befinde.

Vor ein paar Minuten sind ca 7-8 Käsehochs im Alter von schätzungsweise 9 Jahren rein gekommen.

Sie alle haben Fußballtrikots, der weltweit besten  Spieler an und wollen Geburtstag feiern. Jeder zweite von ihnen hat ein Trikot von Messi, aus der Nationalmannschaft und auch von BARCA an.
Einer von ihnen trägt ein Werder Bremen Trikot, mit dem Namen von Mesut Özil.
Und irgendwie stelle ich mir die Frage, wie so viele an diesem Nachmittag, bei so viel Rumsitzerei natürlich auch kein Wunder, ob man als Türke, ein Özil, ein Fußballstar sein muss, um eine volle Akzeptanz in der Gesellschaft zu erlangen??


Darf sich Özil eigentlich auch für die Türkische Nationalmannschaft freuen, wenn sie ein Tor schießt oder muss er seine türkische Herkunft komplett in der Öffentlichkeit ablegen, sich assimilieren, um bewundert zu werden?
Die Frage, als WAS er sich fühlt, ist doch sehr unvorsichtig.
So, entscheide dich bitte Özil, Kuskaya, Korkmaz, Aslan, Yilmaz, Köksal, Kaya, Yalcin. 
Bist du  Döner oder Bratwurst?


Die kleine Zeitreise in meinen vorherigen Post " Weihnachten Anders" müsste, bei Weiterführung des Gedankens eigentlich schon gezeigt haben, dass die Antwort auf diese Frage, keine Frage des Geschmacks sondern eigentlich schon latent rassistisch ist.

Wie kann man erwarten, dass eine Person, die in zwei Kulturen aufwächst, so eine Frage beantwortet?
Mein Vater sagt immer zu mir und meinen Geschwistern, dass wir uns das immer so aussuchen, wie es uns gerade passt. Das spiegelt sich in der Sprache, die wir oftmals vermischen und auch in der Lebensweise wieder.


Deutsche Freunde, also, die, die es schon immer waren betonen oftmals liebevoll, dass es " scheiß egal" ist, wo man her kommt.
JA, das ist im Grunde auch so. Doch trotzdem erwartet die Person, die einem diese Frage stellt eine Antwort. Also Bratwurst oder Döner? Ein leichtes Gefühl der Überforderung entsteht meist unbewusst.
So, sagen wir mal " scheiß egal", wo ich herkomme. Woran mach ich denn fest, was ich bin? Bin ich nun Deutsche und integriert, weil ich Bratwurst esse und Bier trinke? ( Man wird nämlich besonders gelobt, wenn man Schweinefleisch ist) 
Sind die Deutschen, die Döner essen, Ayran und Uludag, dann Türken?


Özil wird erst wieder ein Türke, wenn er, hoffentlich natürlich nicht, negative Schlagzeilen von sich macht, die vielleicht kriminelle Verbrechen mit sich bringen. 
Die Presse versteht es nämlich sehr genau, von den Jugendlichen mit "türkischen Migrationshintergrund" zu sprechen, wenn es um Kriminalität geht. 


Für mich erleiden die Wörter,  GerechtigkeitIntegration, Toleranz, Respekt, Krieg und Frieden eine Hyperinflation. Nicht vielen ist bewusst, mit wie viel Vorsicht, diese Wörter zu genießen sind.
Mich erinnern sie mittlerweile eher an eine dieser Miss America Wahlen.Die vorgeführten wunderschönen Barbie ähnlichen Frauen, die bei der Frage, was sie sich für die Weltwünschen, standardmäßig  

" I wish a World in Peace and Freedom, without Wars and Injustice. Tolerance to all Mankind. I Love You America. God Bless You. Thank you."
 verkünden.



Ich sage dazu nur Fuck You!