Samstag, 4. August 2012

Gleiche Kassette. - Ein Album. Vier Songs.


Album.

Ich. Geteilt durch 1, 2, 3, 4?


Uhrzeit: 3:44

1.Song.
Geteilt durch Eins.

-"Fastest du auch?!"

 ( Man geht nämlich grundsätzlich davon aus, dass alle Türken/Kurden/Araber etc pp. Muslime sind.
 Kaum zu glauben,  dass es Christen, Juden, Yeziden, Aleviten, Attheisten unter der Bevölkerung gibt.
 Die Mauer im Gedächtnis ist zu bequem, als mal zu schauen, was hinter ihr liegt.
 Google machts aber auch möglich.)

-" Nein, ich bin Alevitin."
-"Ale-was?!?"
-"Alevitin. Ganz einfach erklärt ist es so wie im Christentum, die zum einen die katholische und zum anderen die evangelische Strömung hat. Natürlich, ich weiß, da gibt es mehr. Aber um es dir so einfach wie möglich zu erklären. 
Das gibt es auch im Islam. Unter anderem die sunnitische Strömung, die fasten den Ramadan und glauben an die fünf Säulen des Islam und die Aleviten, die fasten nicht zum Ramadan, glauben nicht an die fünf Säulen des Islam, gehen nicht in Moscheen, tragen keine Kopftücher, beten in eigener Sprache und der Alkoholverzehr ist auch erlaubt.
 Keine monotheistische Glaubensrichtung des Islam. Es gibt auch viele andere Strömungen, aber wie gesagt."
- "Hmm, achso."
-"Noch Fragen?? Nein? - Ja danke, sonst gehts mir auch gut. Und bei dir?"
Man merkt ganz schnell, dass die meisten Personen, nicht mal wissen, was die 5 Säulen des Islams sind.
Das müssen sie vielleicht auch nicht. ABER wenn eine derart persönliche Frage latent vorwurfsvoll klingt, sollte der Vorwurf zumindest auf fundiertem Wissen basieren.


2. Song.
Geteilt durch Zwei.

-"Fastest du NICHT?- Nein, ich bin Alevitin."
-"Achso, ihr glaubt ja auch nicht an den Propheten Muhammed, sondern an Imam Ali als Prophet."
-"Nein, wir sagen auch Ya Allah, Ya Muhammed, Ya Ali.
  Wir sehen Ali nur als rechtmäßigen Erben vom Propheten Muhammed."

In diesem Moment geht es nicht   mal so sehr darum, ob man praktizierende Alevite ist, sondern, dass man sich ständig in einer Verteidigungsposition befindet und es als kulturellen und politischen Ansporn nimmt.

-"Ihr esst auch Schweinefleisch ne?" 
-"Es verbietet uns keiner."
 (Stille, ansteigende Wut)

Es geht nicht darum, ob der Verzehr von Schweinefleisch irgendwo geschrieben steht.
Es geht um die Respektlosigkeit überhaupt eine derart irrelevante Frage zu stelle, als würde die Religion
auf einem Stück Fleisch basieren.
Meine Antwort ist jediglich eine Protesthaltung, denn die Person, die das fragt, mach mein muslimisches Dasein, anscheinend vom Fleisch abhängig. Auf der Ebene lässt es sich auch nicht weiterdiskutieren.
Es ist Privatsache, ob man an Gott oder an die Götter glaubt. Es ist Privatsache, ob man fastet oder nicht.
Ich glaube nicht an Gott, weil ich meinem Nächsten irgendwas beweisen möchte und frage ihn auch nicht danach, wie er zu den Dingen steht.

Eine Person, die solche Fragen stellt ist eine/r  von vielen, die von einer anderen Person, die wiederum von einer anderen Person,  nur genau DAS über 25 Millionen in der Türkei lebenden Aleviten weiß. Dem Land, das er/sie als Herkunftsland bezeichnet. Kein Einzelfall.


3. Song.
Geteilt durch Drei.

-"Sen Kürtmüsün?" (Bist du eine Kurdin?)
-"Babam Türk, Annem Kürt." ( Mein Papa ist Türke und meine Mama Kurdin)
-"Alevisin?" ( Du bist Alevitin?)
-"Evet." (Ja)
-"Almancisin ?"( Du bist Deutschländerin?)
-"Evet" (Ja) 
-"Konusma tarzindan belli." ( Merkt man an deinem Sprachgebrauch)

In der Türkei eine alevitisch, deutschländische Kurdin.
In gewissen Kreisen nicht als türkische Muslimin anerkannt.

4. Song

Geteilt durch Vier, Fünf ?

-" Sind Sie Türkin?"
-"Ja"
-"Muslima?"
-"Ja."
-"Sind Sie hier geboren?"
-"Ja, in Braunschweig".
-"Ich brauche Ihre Meldebescheinigung, das steht so im Ausländergesetz. (...)"

In Deutschland, eine türkisch, muslimische Ausländerin.
Nicht als Deutsch-Türkin anerkannt.

So und wer steigt jetzt noch durch?
Zusammengefasst bin ich also eine:
ausländisch-deutschländische, kurdisch-türkische muslimsch und -nicht-muslimische Alevitin.
Man darf sich eines dieser Stereotypen aussuchen.













Mittwoch, 11. April 2012

Ein Gedanke.

10.3.2012


Seit Stunden warte ich nun auf das Ende der Geburtstagsfeier meiner kleinen Schwester Rosa im Kinderparadies.

In dem Gebäude daneben belagert meine Schwester mit ihren Freundinnen die Soccer Five Arena. Mit mehreren Indoor Fußballplätzen bietet es für Hobby Kicker ein paar Stunden Spaß.Diese grenzt an der Bar an, in der ich mich seit geschlagenen vier Stunden nun befinde.

Vor ein paar Minuten sind ca 7-8 Käsehochs im Alter von schätzungsweise 9 Jahren rein gekommen.

Sie alle haben Fußballtrikots, der weltweit besten  Spieler an und wollen Geburtstag feiern. Jeder zweite von ihnen hat ein Trikot von Messi, aus der Nationalmannschaft und auch von BARCA an.
Einer von ihnen trägt ein Werder Bremen Trikot, mit dem Namen von Mesut Özil.
Und irgendwie stelle ich mir die Frage, wie so viele an diesem Nachmittag, bei so viel Rumsitzerei natürlich auch kein Wunder, ob man als Türke, ein Özil, ein Fußballstar sein muss, um eine volle Akzeptanz in der Gesellschaft zu erlangen??


Darf sich Özil eigentlich auch für die Türkische Nationalmannschaft freuen, wenn sie ein Tor schießt oder muss er seine türkische Herkunft komplett in der Öffentlichkeit ablegen, sich assimilieren, um bewundert zu werden?
Die Frage, als WAS er sich fühlt, ist doch sehr unvorsichtig.
So, entscheide dich bitte Özil, Kuskaya, Korkmaz, Aslan, Yilmaz, Köksal, Kaya, Yalcin. 
Bist du  Döner oder Bratwurst?


Die kleine Zeitreise in meinen vorherigen Post " Weihnachten Anders" müsste, bei Weiterführung des Gedankens eigentlich schon gezeigt haben, dass die Antwort auf diese Frage, keine Frage des Geschmacks sondern eigentlich schon latent rassistisch ist.

Wie kann man erwarten, dass eine Person, die in zwei Kulturen aufwächst, so eine Frage beantwortet?
Mein Vater sagt immer zu mir und meinen Geschwistern, dass wir uns das immer so aussuchen, wie es uns gerade passt. Das spiegelt sich in der Sprache, die wir oftmals vermischen und auch in der Lebensweise wieder.


Deutsche Freunde, also, die, die es schon immer waren betonen oftmals liebevoll, dass es " scheiß egal" ist, wo man her kommt.
JA, das ist im Grunde auch so. Doch trotzdem erwartet die Person, die einem diese Frage stellt eine Antwort. Also Bratwurst oder Döner? Ein leichtes Gefühl der Überforderung entsteht meist unbewusst.
So, sagen wir mal " scheiß egal", wo ich herkomme. Woran mach ich denn fest, was ich bin? Bin ich nun Deutsche und integriert, weil ich Bratwurst esse und Bier trinke? ( Man wird nämlich besonders gelobt, wenn man Schweinefleisch ist) 
Sind die Deutschen, die Döner essen, Ayran und Uludag, dann Türken?


Özil wird erst wieder ein Türke, wenn er, hoffentlich natürlich nicht, negative Schlagzeilen von sich macht, die vielleicht kriminelle Verbrechen mit sich bringen. 
Die Presse versteht es nämlich sehr genau, von den Jugendlichen mit "türkischen Migrationshintergrund" zu sprechen, wenn es um Kriminalität geht. 


Für mich erleiden die Wörter,  GerechtigkeitIntegration, Toleranz, Respekt, Krieg und Frieden eine Hyperinflation. Nicht vielen ist bewusst, mit wie viel Vorsicht, diese Wörter zu genießen sind.
Mich erinnern sie mittlerweile eher an eine dieser Miss America Wahlen.Die vorgeführten wunderschönen Barbie ähnlichen Frauen, die bei der Frage, was sie sich für die Weltwünschen, standardmäßig  

" I wish a World in Peace and Freedom, without Wars and Injustice. Tolerance to all Mankind. I Love You America. God Bless You. Thank you."
 verkünden.



Ich sage dazu nur Fuck You!


Dienstag, 28. Februar 2012

Weihnachtszeit.Als Kind.

Es war schon immer so, dass ich anders Weihnachten gefeiert habe.
An Nikolaus zum Beispiel,  gab es Geld statt Schokolade in meinem geputzten Stiefel.
Dafür entschied sich vorzugsweise mein Vater, der morgens vor der Haustür über die Stiefel stolperte und dann ein paar Mark reinwarf.
Bei meinen Großeltern gab es auch mal garnichts IM Stiefel sondern, einen riesen Korb mit neuer Bekleidung DANEBEN. 
Ich verstand die Welt nicht mehr und brach in Tränen aus.
Im Kindergarten hatten die doch gesagt, dass der Nikolaus kommt und Schokolade in meinen geputzten Stiefel stellt. Auch meine Großeltern verstanden die Welt nicht mehr,  denn sonst freute ich mich doch auch über neue Bekleidung und Spielsachen. 
Dank dieser Ereignisse wusste ich schon sehr früh, dass es garkeinen Nikolaus gab!
Ich nahm es ihnen damals sehr, sehr übel.

Die Weihnachtszeit im Kindergarten war immer festlich geschmückt und gemütlich. Zu Weihnachtsliedern wurden Plätzchen gebacken. Zur Lesestunde gab es immer Weihnachtsgeschichten. Ich empfand dies immer schon als sehr schön. Meine Freunde erzählten von ihren tollen Weihnachtsbäumen und ihren Wunschlisten an den Weihnachtsmann.

Ich wünschte mir also auch einen Weihnachtsbaum. Einen Baum, wie ihn meine Freunde beschrieben.
Einen, wie in den Büchern oder im Fernsehen. Endlich, ich bekam auch einen Tannenbaum.

Doch so hatte ich ihn mir nicht vorgestellt.
Er war ca 50 cm hoch, leuchtete grell und war aus Plastik!!
Noch heute weiß ich, wie enttäuscht ich darüber war, stellte ihn mir dennoch neben mein Bett auf die Fensterbank.  Zu Besuch bei meinen Freunden war alles weihnachtlich dekoriert. Ich dachte dabei an meinen Plastikbaum und die Lichterkette an meinem Fenster.

Einen selbstgebastelten Adventskalender gabs demnach auch nicht. Einen aus Schokolade dafür immer. 

Mein absolutes Highlight zur Weihnachtszeit war natürlich der Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt. Er saß immer direkt am Domplatz und nahm nacheinander ein Kind auf seinen Schoß, das ein Foto mit ihm schießen durfte. Da, wie auch im Kindergarten, hatte ich was mit allen Kindern für einen Moment gemeinsam. Den Weihnachtsmann.

Heiligabend war der Geburtstag meines Cousins. Also feierten wir immer Geburtstag mit ihm. Wobei auch er sich beschwerte, warum er denn nur ein Geschenk von jedem bekäme und nicht zwei, da doch auch Weihnachten sei. Ich wusste, was er meinte, meine Familie jedoch nicht.

Im nachhinnein ist natürlich alles halb so dramatisch, wie es scheint. Ich lache über viele dieser Momente. Geprägt hat diese Zeit jedoch trotzdem. Und ich glaube zu 100 Prozent zu wissen, dass es nicht nur mir so erging.
Und noch heute, ist der jährliche Stress der Weihnachtsgeschenke einer, der mich - außer der übefüllten Läden, kaum berührt.
Denn Weihnachten wird bei uns mittlerweile in einem Restaurant der Familie geschlossen gefeiert.
Da können auch mal 100 Personen anwesend sein. Es wird gegessen, getanzt und getrunken.
Also auch hier ist die traditionelle Weihnachtsfeier noch weit entfernt.


PS: Meine kleine Schwester bekommt jetzt jährlich einen echten Tannenbaum, aber auch einen Olivenbaum hatte sie schon zu Weihnachten geschmückt.:)


Wie ist/war Weihnachten bei euch?