Es war schon immer so, dass ich anders Weihnachten gefeiert habe.
An Nikolaus zum Beispiel, gab es Geld statt Schokolade in meinem geputzten Stiefel.
Dafür entschied sich vorzugsweise mein Vater, der morgens vor der Haustür über die Stiefel stolperte und dann ein paar Mark reinwarf.
Bei meinen Großeltern gab es auch mal garnichts IM Stiefel sondern, einen riesen Korb mit neuer Bekleidung DANEBEN.
Ich verstand die Welt nicht mehr und brach in Tränen aus.
Im Kindergarten hatten die doch gesagt, dass der Nikolaus kommt und Schokolade in meinen geputzten Stiefel stellt. Auch meine Großeltern verstanden die Welt nicht mehr, denn sonst freute ich mich
doch auch über neue Bekleidung und Spielsachen.
Dank dieser Ereignisse wusste ich schon sehr früh, dass es garkeinen Nikolaus gab!
Ich nahm es ihnen damals sehr, sehr übel.
Die Weihnachtszeit im Kindergarten war immer festlich geschmückt und gemütlich. Zu Weihnachtsliedern wurden Plätzchen gebacken. Zur Lesestunde gab es immer Weihnachtsgeschichten. Ich empfand dies immer schon als sehr schön. Meine Freunde erzählten von ihren tollen Weihnachtsbäumen und ihren Wunschlisten an den Weihnachtsmann.
Ich wünschte mir also auch einen Weihnachtsbaum. Einen Baum, wie ihn meine Freunde beschrieben.
Einen, wie in den Büchern oder im Fernsehen. Endlich, ich bekam auch einen Tannenbaum.
Er war ca 50 cm hoch, leuchtete grell und war aus Plastik!!
Noch heute weiß ich, wie enttäuscht ich darüber war, stellte ihn mir dennoch neben mein Bett auf die Fensterbank. Zu Besuch bei meinen Freunden war alles weihnachtlich dekoriert. Ich dachte dabei an meinen Plastikbaum und die Lichterkette an meinem Fenster.
Einen selbstgebastelten Adventskalender gabs demnach auch nicht. Einen aus Schokolade dafür immer.
Mein absolutes Highlight zur Weihnachtszeit war natürlich der Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt. Er saß immer direkt am Domplatz und nahm nacheinander ein Kind auf seinen Schoß, das ein Foto mit ihm schießen durfte. Da, wie auch im Kindergarten, hatte ich was mit allen Kindern für einen Moment gemeinsam. Den Weihnachtsmann.
Heiligabend war der Geburtstag meines Cousins. Also feierten wir immer Geburtstag mit ihm. Wobei auch er sich beschwerte, warum er denn nur ein Geschenk von jedem bekäme und nicht zwei, da doch auch Weihnachten sei. Ich wusste, was er meinte, meine Familie jedoch nicht.
Im nachhinnein ist natürlich alles halb so dramatisch, wie es scheint. Ich lache über viele dieser Momente. Geprägt hat diese Zeit jedoch trotzdem. Und ich glaube zu 100 Prozent zu wissen, dass es nicht nur mir so erging.
Und noch heute, ist der jährliche Stress der Weihnachtsgeschenke einer, der mich - außer der übefüllten Läden, kaum berührt.
Denn Weihnachten wird bei uns mittlerweile in einem Restaurant der Familie geschlossen gefeiert.
Da können auch mal 100 Personen anwesend sein. Es wird gegessen, getanzt und getrunken.
Also auch hier ist die traditionelle Weihnachtsfeier noch weit entfernt.
PS: Meine kleine Schwester bekommt jetzt jährlich einen echten Tannenbaum, aber auch einen Olivenbaum hatte sie schon zu Weihnachten geschmückt.:)
Wie ist/war Weihnachten bei euch?
